Energiewende vor Ort: Landrat Ben Schwarz im Gespräch mit Thomas Vogel

Energiewende vor Ort: Landrat Ben Schwarz im Gespräch mit Thomas Vogel

Die Energiewende wird auf Bundes- und Landesebene politisch gestaltet – umgesetzt wird sie jedoch zu einem großen Teil vor Ort. In Städten, Gemeinden und Landkreisen entscheidet sich, wie erneuerbare Energien, Wärmeversorgung, Mobilität und Netzinfrastruktur tatsächlich zusammengebracht werden können.

In der aktuellen Folge von „Energie unplugged – Klartext zur Energiewende“ spricht Thomas Vogel, Geschäftsführer der zeitgeist engineering gmbh und Energieexperte für Sektorenkopplung und vernetzte Energiesysteme, mit Ben Schwarz, Landrat des Landkreises Roth, über genau diese Schnittstelle zwischen Politik und technischer Umsetzung.

Welche Verantwortung haben Kommunen und Landkreise?

Ben Schwarz kennt die kommunale Ebene aus unterschiedlichen Perspektiven. Seit 2023 ist er Landrat des Landkreises Roth, zuvor war er zwölf Jahre Bürgermeister von Georgensgmünd. Im Podcast beschreibt er, wie sich die Aufgaben zwischen einzelnen Kommunen und Landkreisen unterscheiden – und warum gerade bei komplexen Themen der Energieversorgung eine stärkere Koordination notwendig wird.

Nicht jede Gemeinde verfügt über eigene Stadt- oder Gemeindewerke, eigene Netze oder die personellen Ressourcen, um die zunehmende Komplexität der Energiewende alleine abzubilden. Dem Landkreis kommt deshalb aus seiner Sicht eine wichtige koordinierende Funktion zu.

Ein zentraler Begriff des Gesprächs ist dabei die Subsidiarität: Was sinnvoll vor Ort entschieden und umgesetzt werden kann, sollte auch auf dieser Ebene möglich sein. Gleichzeitig braucht es Strukturen, die kleinere Kommunen unterstützen und regionale Lösungen ermöglichen.

Sektorenkopplung statt isolierter Einzellösungen

Für Thomas Vogel liegt genau darin eine der entscheidenden Herausforderungen der zukünftigen Energieversorgung. Strom, Wärme, Kälte und Mobilität dürfen nicht länger unabhängig voneinander betrachtet werden. Entscheidend ist, wie diese Bereiche intelligent miteinander vernetzt werden können.

Die Zahlen aus dem Landkreis Roth verdeutlichen die Dimension: Nach Angaben von Ben Schwarz entfallen dort lediglich rund 14 Prozent des gesamten Energieverbrauchs auf den Stromsektor. Rund 40 Prozent betreffen Wärme und fast 46 Prozent Mobilität. Damit liegen wesentliche Stellhebel der Transformation gerade außerhalb der reinen Stromerzeugung.

Im Gespräch geht es deshalb unter anderem um kommunale Wärmeplanung, Wärmenetze, Photovoltaik, Wärmepumpen, Mobilität und regionale Energieversorgung. Thomas Vogel plädiert dafür, nicht einzelne Technologien gegeneinander auszuspielen, sondern das Energiesystem als Ganzes zu betrachten. Strom aus erneuerbaren Energien kann beispielsweise stärker in Wärme- und Mobilitätsanwendungen integriert werden. Wärmenetze wiederum können künftig weit mehr leisten als ausschließlich Wärme zu verteilen.

Mehr regionale Wertschöpfung und mehr Handlungsspielraum

Ein weiterer Schwerpunkt des Gesprächs ist die Frage, wie viel Gestaltungsspielraum Kommunen, Unternehmen und Quartiere künftig benötigen. Zu detaillierte Regulierung kann lokale Lösungen verlangsamen – gerade dort, wo technisch längst Möglichkeiten für eine effizientere Nutzung von Energie vorhanden wären.

Gleichzeitig bietet die Energiewende eine große wirtschaftliche Chance für Regionen. Wenn weniger Geld für fossile Energieträger abfließt und stattdessen Energie vor Ort erzeugt, genutzt und intelligent verteilt wird, kann ein größerer Teil der Wertschöpfung in den Kommunen und Regionen bleiben.

Für Thomas Vogel und Ben Schwarz gehört deshalb auch eine stärkere kommunale Beteiligung zur Transformation. Sie kann Vertrauen schaffen, Planungssicherheit erhöhen und Bürgerinnen und Bürger stärker an regionalen Energieprojekten beteiligen.

Energiewende braucht Politik und Umsetzung

Das Gespräch zeigt vor allem, wie wichtig der direkte Austausch zwischen Politik, Kommunen, Energieexperten und technischen Umsetzern ist. Politische Rahmenbedingungen müssen mit den praktischen Anforderungen vor Ort zusammenpassen – und technische Lösungen müssen die regionalen Gegebenheiten berücksichtigen.

Thomas Vogel fasst die Energiewende deshalb am Ende nicht als reine technische Aufgabe zusammen. Sie ist auch eine gesellschaftliche und politische Transformationsaufgabe, die nur gelingen kann, wenn die unterschiedlichen Akteure gemeinsam Verantwortung übernehmen.

Die vollständige Folge von „Energie unplugged – Klartext zur Energiewende“ mit Landrat Ben Schwarz und Thomas Vogel gibt es auf YouTube und Spotify.

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